Entstehung

Zur Geschichte der Gemeinnützigen Treuhandstelle Hamburg e.V.

Sieben Wegbereiter, sieben individuelle Sichtweisen auf die Treuhandstelle. Allen gemeinsam ist der Wunsch, dass die GTS auch in der Zukunft weit mehr ist als eine Transferstelle für geliehenes und geschenktes Geld.

  1. „Zukunftsstiftende Ideen zu unterstützen, das ist der Auftrag.„ – Hellmut Hannesen, Rechtsanwalt und Mitbegründer der Initiative ‚Mittelweg 147’.
     
    „Ursprünglich nannten wir den Verein ganz pragmatisch ‚Mittelweg 147 e.V.’ Das Haus wurde von Frau Uslar vererbt, und dann der Initiative der GTS in Hamburg geschenkt. Diese Haus mit Leben zu erfüllen war 1978 das primäre Ziel unseres Tuns”, berichtet Hellmut Hannesen, der damals als junger Anwalt mit seinem Büro in den Mittelweg 147 einzog und als guter Geist des Hauses dessen Geschicke maßgeblich mit gestaltete. Die Treuhandstelle als Transferstelle vom Geber zum Nehmer war nur eine von vielen Initiativen, von denen bedeutende kulturelle und soziale Impulse ausgingen. Gern erinnert sich Hellmut Hannesen auch einen der ersten Spender: ”Es war ein alter Herr, ein Klempner, Mitglied der Christengemeinschaft. Er kam einfach die Treppe herauf und machte eine Spende über 30.000 Mark für die Renovierungdes Hauses. Oder es kam eine Dame herein und wollte eine Stiftung machen, und wir haben sie beraten.”
  2. „Durch die Treuhand entstehen Vernetzungen, die wertvoll und tragfähig sind” – Joachim Bauck, Landwirt und Treuhandmitglied der ersten Stunde.
     
    Die Idee der Initiative ‚Mittelweg 147 e.V.’ war für Joachim Bauck Ende der 70er Jahre vor allem deshalb beflügelnd, weil Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensfeldern zusammenkamen, davon berichteten, wo sie der Schuh drückte, um gemeinsam Problemlösungen zu finden. Für ihn, den Landwirt Joachim Bauck , ist dies die Essenz der Arbeit der Treuhandstelle. Das Sammeln und Verteilen von Geld sollte nur eine Konsequenz daraus sein. „Für die Zukunft könnte ich mir viele kleine Treuhandstellen in der Region vorstellen, die nach dem Hamburger Modell arbeiten. Den Mittelweg in neuer Weise zu be- und ergreifen, das finde ich als Zukunftsperspektive hoch interessant.”
  3. „Menschen, die mit ihren Initiativen in der Welt stehen, den Rücken zu stärken, das gehört zu den zentralen Aufgaben der Treuhandstelle” – Ursula Beuch, langjähriges Mitglied des Treuhandrates.
     
    Ursula Beuch formuliert einen Wunsch für die Zukunft der Treuhandstelle: „Das Rad nicht zurückzudrehen, sondern aus dem, was man erfahren hat, einen mutigen neuen Schritt zu wagen.” Es war für sie beflügelnd, dass das Haus am Mittelweg 147 von Anfang an ein Heim für die verschiedensten Initiativen war und einen Nährboden abgab für Kulturförderung und die Beziehungspflege zwischen Menschen. Besonders gern erinnert sie sich an die Jahre des Mittagtisches im Haus Mittelweg 147: „Man wusste, dort konnte man die interessantesten Menschen treffen. Ein Kommunikations- und Kulturcafé, völlig improvisiert und frei, und gerade darum so wertvoll.”
  4. „Zum Kernprofil der Treuhandstellen gehört es, dafür zu sorgen, dass sich Wirtschaftsunternehmen vermehrt um sozio-ökonomische Fragen in der Region kümmern” – Albert Fink, Mitbegründer der Gemeinnützigen Treuhandstelle Bochum und der GLS Gemeinschaftsbank.
     
    Bevor sich die erste Treuhandstelle in Bochum 1961 gründete, ging dem die Auseinandersetzung engagierter Menschen aus der anthroposophischen Gesellschaft voraus, wie die sozialwissenschaftliche Dreigliederung nach Rudolf Steiner neu zu fassen sei. Die Idee war es, eine engere Verzahnung von wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhängen in der Region zu erwirken. Eine weitere Quintessenz: Auch für Geld sollten neue Umgangsformen entwickelt werden, um dem Ziel der engeren Verzahnung Rechnung zu tragen. „Der Anfang der Treuhandstelle Bochum waren unter Anderem zwei Kapitalbeteiligungen an Unternehmen. Aus den Finanzerlösen konnten wir z.B. Bauernhöfe entschulden und mit den Landwirten zukunftsweisende Rechtsformen für die Höfe entwickelt. Fast 50 Jahre danach stößt die Idee der Betriebsgemeinschaften wieder auf großes öffentliches Interesse”, berichtet der ehemalige Geschäftsführer der Treuhandstelle Bochum Albert Fink.
  5. „Die Idee war dieses Haus zu retten, es zu modernisieren und jungen Menschen, Raum für Gemeinschaft zu geben” – Frederike von Dall'Armi, ehemalige Bewohnerin im Mittelweg 147.
     
    Es war eine bunte Gemeinschaft aus Studenten und Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen, die sich im Mittelweg trafen und zum Teil auch dort lebten. „Dass wir unseren Horizont erweitern, dass wir uns berufs- und generationsübergreifend wahrnehmen, das war im Mittelweg möglich. Das habe ich jetzt, 25 Jahre nach meinem Auszug, noch immer so erlebt. In diesem Haus lebt eben ein guter Geist”, versichert die ehemalige Bewohnerin Frederike von Dall-Armi. Sie versteht das Haus als einen Ort, von dem auch in Zukunft ein Kultur- und Wandlungsimpuls im umfassenden Sinne ausgehen sollte.
  6. „Die Mitarbeit im Mittelweg 147 hat mir eine enorme Erweiterung des Horizonts beschert” – Stephan May, Mitbegründer und Vorstand der Gemeinnützigen Treuhandstelle Hamburg e.V.
     
    Stephan May kam 1981 zum Studium nach Hamburg und empfand das Haus im Mittelweg 147 als eine „Mischung”, aus einem anthroposophischen Zirkel, alternativen Studenten, und den jungen Anwälten, die im Haus ihre Kanzlei hatten. „Mit der Bankgründung gab es natürlich Veränderungen. Wichtig war immer die Haltung, Initiativen, die anders sind und woanders keine Förderung bekommen, zu unterstützen. Das Engagement hat sich gelohnt. Sonst hätte ich das nicht gemacht.”
  7. „Als sehr inspirierend habe ich empfunden, in die Welt anderer GTS-Mitglieder einzutauchen” – Angela van Beesten, Vorsitzende des ökologischen Ärztebundes und ehemaliges Mitglied im Treuhandrat.
     
    Angela von Beesten empfand den Facettenreichtum der GTS-Mitglieder als große Chance und sehr inspirierend. „Die Mitgliederversammlungen auf den Höfen und in den Einrichtungen zu machen, das hat sehr viel gebracht. Es ist so eine bunte Vielfalt an Themen und Projekten, dass jeder einzelne davon profitieren kann, die Welt von einer anderen Seite zu betrachten”, versichert Angela von Beesten und hält in diesem Zusammenhang auch das Angebot von Seminaren von Mitgliedern für Mitglieder für sehr wertvoll.
 

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